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Mai 20, 2015

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20
Mai
2015

wenn der Muskel nicht fasziliert … dann geht nichts mehr (keine Kraftsteigerung möglich)

Startsatz: Heute ein Beispiel aus meinem Praxisalltag, was mir wieder aufzeigte, wie wichtig das ganzheitliche Denken in unserem Beruf ist. Nur in der Komplexität unseres Vorgehens und in der Auswahl einzelner Therapieformen, individuell zum Befund, werden wir (Therapie)- Erfolg haben. Die Zukunft der Physiotherapie heißt Blankorezept. Dazu müssen wir vernetzt und über unserer Grenzen hinweg denken und handeln. Unser angeeignetes Wissen, unsere erworbenen Kompetenzen über die vielen Stunden an Ausbildung und Zusatzqualifikationen gezielt anwenden. Dazu dieses Beispiel aus meiner Praxis:

Was ist passiert:

Ein 45 jähriger Mann kam mit starken Beschwerden – postoperativ vor 6 Monaten, nach einer Patellasehnenruptur an seiner rechten Seite in meine Therapie. Bis dato war der Patient 3 Wochen lang in der Reha mit anschließenden 36! Sitzungen in der Krankengymnastik.

meine Befundung:

- Lymphödem rechtes Knie

- Flexion 110 Grad mit Schmerz, Extension frei, Rotation frei

- Narbe verdickt und bläuliche Färbung

- Treppensteigen nur mit Nachstellen möglich, ansonsten schmerzhaft VAS 6

- positiver Patricktest, SLR Test und Linder 2 Test

- M. rectus, M. quadriceps, M. ischiokrurale, M. popliteus, M. gastrocnemius,  M. glutaeus medius und maximus, M. Quadratus lumborum, M.psoas alle rechts inhibiert

- Kapselspannung im rechten Kniegelenk nicht möglich

- keine koordinative Fähigkeit im rechten Kniegelenk möglich

- keine Exzentrik möglich

Hier mein Behandlungsschema:

- Entstörung Narbe mit Hilfe des Physiokeys einschließlich Narbensalbe, zusätzlich regelmäßiges Salben mit APM Salbe nach Austestung der Salbe täglich zu Hause

- Lymphtape als Drainagetape

- Kinesiotape auf alle inhibierten Muskeln als Muskelanlage

- Faszilitation des M. Articularis

- zusätzlich Slingtraining der gesamten dorsalen, ventralen sowie lateralen Muskelkette

- Proriozeptives Training auf dem Minitrampolin, wobei erstmal nur ein Erstkontakt möglich war (der

Patient stand in 6 Monaten Reha und Physiotherapie das erste Mal auf instabiler Unterlage)

Fazit bereits zum 2. Termin:

 - 80%ige Erstverbesserung hinsichtlich Bewegungsgefühl, Gelenkspannung, Beweglichkeit, Schwellung und Muskelkraft

- Flexion im Kniegelenk fast frei

Seitdem war der Patient 4x bei mir, wir arbeiteten am Muskelaufbau, an der Exzentrik, an der Propriozeption und an der Regulationsfähigkeit des Kniegelenkes. Mein Patient trainiert täglich zu Hause auf instabilen Unterlagerungen, fährt regelmäßig Fahrrad und ist belastbar.

Und zum Schluss: wie immer zu beachten, liebe Leser, Freunde und Therapeuten. Kein Fall ist gleich, keine Behandlung identisch, kein Mensch wie ein anderer und deshalb gilt nicht: nachmachen, sondern inspirieren lassen. In diesem Sinne, beste Inspiration.

Dann habe ich noch eine Bitte. Schreibt mir doch Eure Erfahrungen und Fragen zur Therapie. Vielleicht möchtet Ihr noch weitere Details oder habt selber sehr gute Erfahrungen mit einer bestimmten Methode in Eurer täglichen Arbeit. Ich freue mich darauf. Wenn Ihr wollt, veröffentliche ich Eure Nachrichten und wenn Ihr das nicht wollt, gebe ich Euch auch Antwort nur zwischen Dir und mir.

 Eure Kristin