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9
Feb
2016

„Tempo, Tempo mit unserem Körper?“

Wir sind unseren Schnellschritt mittlerweile gewöhnt. Ob am Arbeitsplatz, in den sozialen Medien oder im Sport das Tempo in unserer Gesellschaft beschleunigt sich in allen Bereichen.

Der renommierte Stanford University Professor Philip Zimbardo wollte wissen, wonach sich die Menschen am meisten sehnen:

mehr Zeit mit Freunden

mehr Zeit mit der Familie

mehr Zeit für meinen Erfolg und meinem Schlaf.

Nun wurden Sie gefragt, was würden sie tun, hätten wir einen Tag mehr in der Woche. Die Antwort war unglaublich:

Sie würden den Tag nutzen, um härter zu arbeiten, um noch mehr zu erreichen. Sie würden die Zeit nicht für sich, ihre Freunde oder ihre Familie nutzen. Was für ein Widerspruch an sich.

(hier das Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=A3oIiH7BLmg)

Doch was macht das mit unserem Körper? Ist er für das Tempo in unserem Umfeld ausgelegt? Kann unser Körper überhaupt ein anderes Tempo haben, als sein Eigenes? Gibt es auch schnellere Therapie? Die Antworten kenne ich natürlich auch nicht – aber aus meiner Erfahrung als Physiotherapeutin kann ich berichten.

Dazu folgender Fall:

Die  Vorgeschichte.

Im Januar 2015 kam Patient mit Kniebeschwerden (sportlich, 45 Jahre, schlank). Befundung: Schmerzen im Oberschenkel am Tuber ischiadicum links.

Behandlung:

Angefangen habe ich mit der Behandlung am Becken, dann die LWS, das Sprunggelenk – erst rechts, dann links, dann beide nochmals, das gleiche mit den Knien.

Kein Erfolg. Die Beschwerden blieben.

Dann sah ich mir das Kiefergelenk und Kopfgelenke an, behandelte beides.

Keine Besserung beim Patienten.

Zusätzlich habe ich Schulmedizinisch diagnostisch alles abklären lassen, an was ich therapeutisch denke, zuerst mit MRT und Röntgen, dazu kamen dann die Laufanalyse, eine osteopathische Behandlung, der Zahnarzt war dabei, Darmspiegelung, Blut (pos. Borrelienbefund, anschließend Antibiotika).

Dann habe ich Nahrungsergänzung von einer befreundeter Heilpraktikerin austesten lassen, und ein Berufsfreund korrigierte falsche (nicht korrekte) Glaubensätze mittel der applied kinesiology. Eine sehr spannende, neue erfolgsversprechende Therapie. Leider bei mir ohne gewünschtes Ergebnis.

Dann probierten wir die Black Roll und stellten seine sportliche Belastung teilweise ein und um. Änderten Belastungen und Trainings- Frequenzen.

Und erst jetzt (hier waren schon 3 Monate vergangen) passierte etwas Merkwürdiges. Der Schmerz bei meinem Patienten wanderte von der Hüfte, über sein rechtes- dann zu seinem linken Knie. Steckte dann für einige Zeit im rechten Sprunggelenk um sich letztendlich im linken Sprunggelenk zu manifestieren.

Dort konnte ich eine alte Sprunggelenksverletzung feststellen- keine eigentliche Verletzung, sondern eher eine in unregelmäßigen Abständen stattgefunden Überlastung  bzw. Überdehnung. Mit der Folge längerer Instabilitäten im Gelenk. Mein Patient räumte diesen lange Zeit zurückliegenden Verletzungen (über 20 Jahre) keine Bedeutung mehr ein und hatte es wohl auch schlecht vergessen, mir mitzuteilen. Wie wir wissen, vergisst unser Körper nichts.

Also, ich war auf dem richtigen Weg.

Ich tapte die schwachen Muskeln M. peroneus longus et breves und M. tibialis posterior, dazu ein Korrekturtape auf den lateralen Malleolus und die lateralen Bänder. Zusätzlich gab es Trainingseinheiten mit Stabilisationsübungen auf instabilen Unterlagerungen für das widerspenstige Sprunggelenk.

Und nach und nach lösten sich die Probleme.

Jetzt im Februar 2016 sind die Probleme endlich gelöst. Patient geheilt.

Aktuell habe ich den Stereotyp umgestellt und wir sind zusammen immer wieder am Korrigieren des Beckens und der LWS. Wir üben regelmäßig am Slingtrainer und zur Abrundung schickte ich den Patienten zum regelmäßigen Yoga.

Uff, das war ein weiter Weg und sehr langsam.

Mein Resümee:

Manchmal bedarf es einen langen Weg, um endlich am Ziel anzukommen. Therapie ist kein Hochleistungssport und auch keine schnelllebige Mode. Therapie heißt, geduldig alles auszuschöpfen, was Körper, Geist und Seele des Patienten benötigt. Dabei zeigt uns der Körper nicht immer sofort das „Fenster zum Erfolg“. Dieses Beispiel zeigt die faszinierende Langsamkeit der Regulation in unserem Körper.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit

Eure Kristin

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